Texte

Richard Pinkert:

„Wenn wir zeichnen, ist die Linie unser Tun. Dieses Tun aber umfährt/modelliert den Teil der Fläche, an dem wir „nichts tun“ und – oh Wunder – genau an der Stelle, wo wir „nichts“ oder nur wenig machten, entsteht das „Etwas – das Plastische“, die Nase schaut nun gewissermaßen aus dem Bild … Also muss unsere Aufmerksamkeit beim „Tun“ im gleichen Maße dem „Nicht-Tun“ gelten…

Malen ist auch ein Handwerk, aber das feinste, das es gibt“
(Wilhelm Leibl)

Farbig schaffen bedeutet, die Zeichnung mehr nach der Tiefe entwickeln“

Weil die Alten ihr Handwerk kannten, besaßen sie diese wunderbare Materie und diese durchsichtigen Farben, deren Geheimnis wir vergeblich zu ergründen trachten“
(Pierre Auguste Renoir)

Heinrich Brüne/Süddeutsche Zeitung vom 29.3. 1947
Aus den Erinnerungen an den Besuch von Renoir im Jahre 1910 in München:

„Das Leben, das sich nun im Atelier abspielte, die Anordnung zur Sitzung, die Herrichtung des Malwerkzeugs – alles war neu und anders. Hatte ich geglaubt oder glaubte gehört zu haben, dass RENOIR einen eigenen Farbenreiber beschäftigt, besonders präparierte Leinwand benutzte, überhaupt ein besonderes ausgesuchte Material verwendete -, was bekam ich da zu sehen: einen kleinen Schülermalkasten mit einem Dutzend kleinen Tübchen, etliche schon recht vermalte dünne, spitze Borstenpinselchen und ein kleines Fläschchen mit gebleichtem Leinöl. – Das war der ganze Apparat. – Eine einfache mittelkörnige Ölleinwand musste ich ihm in München besorgen, das nötige Terpentinöl entlieh er von mir.
Die Anordnungen zur Arbeit sind schnell gemacht, mit wenig Winken das Modell zurechtgestellt – ein echt Pariser Morgenrock aus weißem Tüll und rosa Schleifchen lässt schon das kommende Werk erahnen. Mit einer langgespitzten Kohle zeichnet er mit zarten Strichen die großen Formen nach, unablässig wandert der Blick zwischen Modell und Leinwand, die Massen in den gegeben Raum zu zwingen, immer wiederumfährt der leise Strich die Rundungen des Körpers, das Oval des Kopfes, die Fülle der Brust, sodass zuletzt das Bild in schöner Plastik sich vom gesäuberten Grund abhebt.
Linsengroß sind die Häufchen Farbe, die man ihm nun auf die Palette setzt. Schwarz, Weiß und Zinnoberrot, nur diese drei. – Mit verdünntem Anstrich und einer Spur von Farbe tuscht er mit etwas Schwarz in die Schattentiefen, allmählich übergehend mit etwas Weiß und Rot zu lichter Wölbung. Erst viel später erscheint ein wenig Blau und Ocker zu grünlicher und goldiger Tönung im Hintergrund.
Von Tag zu Tag ist kaum ein Fortschritt sichtbar, erst nach drei Wochen täglicher Arbeit erscheint die Leinwand wie eben erst begonnen – nichts ist vorgetrieben, Schritt für Schritt wächst das Werk wie eine Pflanze.

Um ein schönes Grün zu machen, nimm Grün und mische es mit Umbraerde, und du wirst dunklere Schatten machen; willst du sie heller, dann mische Grün mit Ocker, und noch heller, Grün mit Gelb, und für den Glanz nimm pures Gelb. Dann nimmst du Grün und Safrangelb zusammen und machst damit einen Schleier über alles.“

Um ein schönes Rot zu machen, nimm Zinnoberrot oder Rötel und gebrannten Ocker für die Schatten, und für die helleren Rötel- und Fleischfarben, und für den Glanz Fleischfarbe allein, dann mache einen Schleier aus feinster Glasur“
(Leonardo da Vinci – R 268/C.A 262r)

Die Kunst des Malens besteht darin, einen Farbfleck, sagen wir Venezianer Rot, so zu umgeben, dass er Zinnober zu sein scheint“

Orange koloriert, Grün neutralisiert, Violett schafft Schatten“
(Edgar Degas)

(Max Beckmann – Äußerungen über die Farbe nach einem Bericht seiner Frau Quappi Beckmann vom 10.02.1952)

„Die Farbe dient dem Ausdruck der seelischen Grundstimmung des Subjekts. Sie ist der Licht- und Formbehandlung nachgeordnet. Ein Überwiegen desfarbigen Elements auf Kosten der Form und des Raumes ist der Anfang zur zweifachen Bearbeitung der Bildfläche, also des Kunstgewerbes. Es sind gebrochene Töne und reine Lokalfarben zu verwenden.“


Alle Zitate – mit Ausnahme des von Richard Pinkert – sind entnommen aus „Max Doerner – Malmaterialien – 22. Auflage